Ur-Verbundenheit als Bild für Gott - zu Pfingsten und Trinitatis

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3 Geistreich-members
Created at: 2014-05-14
Last major update at: 2014-06-11
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Trinitatiszeit, Pfingsten
Institutions
Kirchenamt der EKD in Hannover
Keywords
Target audiences
Practitioners
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Trinität

Abstract

Gedanken zu Pfingsten und Trinitatis

Situation / context

Gott wird hier nicht als ‚Gegenüber’ oder als ‚Objekt’ verstanden, das ein Objekt ist wie ein Tisch oder ein Bild.
Gott, hier als Geistes Gegenwart angenommen, ist im Grunde Gesprächsraum.  Wir betreten ihn wie ein Kirche, wie die Pfingstversammlung. Der war schon immer, er ist da und bleibt da. Er begründet und ist damit unser Reden und Hören. Sinnvolles Verstehen ist wie alles Wesentliche nicht herstellbar, sondern ‚es findet sich‘. Klappt die Verbindung zwischen Menschen, dann wird sie vom Gemüt in der Regel nicht als Leistungslohn erlebt. Sie ‚tut sich auf‘. Dafür kann man etwas tun, klar. Aber wenn es gelingt, ist es doch wie geschenkt oder wie eröffnet. Das sagt etwas darüber, wie vorausgehend Verbundensein immer schon da ist. Und wie selbstverständlich wir immer schon in diesem Raum leben. Das Reich ist unter uns. Was wir ersehnen, kennen wir längst.
  
Um diese Ur-Verbundenheit wissen Menschen also immer schon irgendwie. Sie können unterhalb ihrer Tagesform einen anderen Einklang erleben, den sie nicht jeweils neu herstellen, sondern der sie ihrerseits trägt, aus dem sie neu geboren werden -  quasi ‚zu sich entbunden‘ durch das liebende Gegenüber. Freundschaften und Partnerschaften leben davon. Es gibt aber auch kurze, neue Begegnungen, die eine Verbindung auftun, die eigentlich nur aus langem Miteinander stammen kann. Man kennt sich eine halbe Stunde, hat aber das Gefühl, man habe schon ein halbes Leben miteinander verbracht.
  
Diese Verbundenheit weist hin auf das christliche Gottesbild. Oder umgekehrt: Unsere Verbundenheit findet sich wieder im Bild einer viel ursprünglicheren Gottes-Verbindung, die in vielen Religionen Thema ist. Christen sehen sie an Jesus. Der ist deswegen so eindrücklich, weil man all seinen Reden und Aktionen noch eine andere Gegenwart abspürt. Er ist eigentlich immer ‚zu zweit‘ unterwegs. Er redet selbst davon  - z.B. im Johannes-Evangelium: „Ich und der Vater sind eins.“. Er lebt aus einer anderen großen Kraft.
So wie man im Haus einer guten und bewährten Partnerschaft gerne zu Gast ist, so wie man im einen Partner einer Freundschaft oder Partnerschaft den anderen mitspürt, so wie man einem Menschen abnimmt, dass er etwas unbedingt liebt, eine Idee oder ein Handwerk - so ähnlich kann man aufgehoben sein in der Nähe Jesu, weil man merkt: da ist noch etwas, das mit ihm geht. Und damit auch mit mir.
  
Das Faszinierende ist also nicht nur der eine ‚für sich existierende‘  Mensch, sondern der Mensch, der verbunden ist mit anderen, mit der Erde, mit Gott und in der Folge mit sich selbst in tiefster Weise. Das heißt, eigentlich ist niemand nur bloß ‚er oder sie selbst‘, sondern sie ist, was all die Verbundenheiten aus ihr gemacht haben und machen. Jeder Mensch ist ein wandelndes Netzwerk. In das kann man eintreten wie in einen Raum.
  
Das christliche Gottesbild enthält genau diese Polarität. Die Bibel und die kirchliche Tradition sprechen vom ‚Vater‘ und vom ‚Sohn‘. ‚Sohn‘ meint Jesus, der von  seiner Herkunft – ‚Vater‘ - inspiriert lebt.
Das Dritte, das so eigentümlich sicher beide trägt, nennt die christliche Rede den ‚Heiligen Geist‘. Er geht nach dem Nicänischen Glaubensbekenntnis ‚aus dem Vater und dem Sohn‘ hervor, er erscheint allen und in allen zu Pfingsten. Er trägt dort die Menschen  von innen her. Er leuchtet aus ihnen heraus wie aus Jesus -  daher das Bild der Flammen auf den Köpfen. Er trägt unser dialogisches Sein. Er ist der Dialog, das heißt: Gott ist unser Dia-Logos (s. Joh 1).
  
Wir werden in diesen Raum des Dialogischen hinein geboren.
Wir alle sind das Ergebnis einer dialogischen Zeugung. Wir wachsen auf im Raum der Zweiheit von Vater und Mutter. Wir binden allein durch unser Geborensein als Baby unsererseits Vater und Mutter aneinander, wir ‚machen‘ sie zu einem Vater und zu einer Mutter (– selbst wenn sie sich trennen). Wir suchen die Zweiheit lebenslang wieder auf.
 
Wir spielen dabei alle Positionen durch, die die christliche Theologie ‚in Gott‘ denken kann: Wir sind Zeugende wie Gott, denn wir setzen Dinge, Ideen, Werke, gar Menschen in die Welt. Wir sind Geborene wie Jesus, wir erben Haltungen und müssen das Erbe antreten und verwandeln wie Jesus. Wir müssen und dürfen unsere Abstammung leben. Wir sind Verbindende und Verbundene wie der Geist. Wir lernen am anderen, wer wir sind. So entsteht das Wort ‚ein-ander‘. Wir tragen die Gestalt Gottes, die gleichzeitig unsere Lebensgestalt ist, in uns aus wie Maria. So werden wir Geschwister Jesu und mit ihm Gottes Kind.
  
Alles, was wir an Beziehung erleben, läßt sich an unserem trinitarischen Gottesbild ablesen. Gott wird beschrieben als der Schöpfer-Gott, der eine Welt aus sich entlässt wie eine (Gebär)Mutter. Er bleibt der gewährende Raum für Leben. Der gleiche Gott inspiriert und rüttelt an der Welt wie ein Spender von Samen, die aufgehen wo sie wollen. In Gott sind beide Pole miteinander im permanenten Dialog. Gott wird beschrieben als leidender Mensch, der die Folgen dessen erträgt, was er freigesetzt hat. Darin ist er wieder schöpferisch und Leben schützend. Gott wird beschrieben als Geist, der diese Paradoxa offenhält und verbindet; der bis heute unvermittelt auftaucht in allem und verbindet, was sich voneinander entfremdet hat.
  
Vielleicht ist diese Theologie des göttlichen Raums demnächst tragfähiger als die Theologie, die in der Zeitachse zu beweisen versucht, dass die göttliche Heilsgeschichte über Schöpfung, Profetie und Jesus am Ende zum Guten führt. Die großen Kriege haben diese Theologie zu nachhaltig erschüttert, als dass Menschen sie tragfähig erleben.
  
In den Raum der Verbundenheit in Gott lassen sich unsere komplexen Beziehungen einleuchtender einzeichnen. Aber man muss dafür einen Gott denken mögen, der in sich dynamisch und immer mit sich und uns im Gespräch ist. Er ist Gegenüber, aber er spricht auch aus uns heraus - beides. Wir sind in ihn hineingeraten, und man ist auch nirgends vor ihm sicher. Das ist neu, prozesshaft, vielleicht gar etwas unheimlich und stößt sich manchmal an herkömmlichen Gottesbildern.
Vielleicht hat die technisch vernetzte Welt da schon etwas vorausgenommen, was Christen in ihrem eigenen Gott entdecken können -  nur originaler und menschlicher, als es ‚das weltweite Netz‘ je sein wird.

  

Thomas Hirsch-Hüffel

  

Gottesdienstinstitut Nordkirche

Königstr. 54

Hamburg 22767

Germany

Goals

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Reflection / background

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General information on realization

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Preparation

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Realization

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Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

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Adopted and refined

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