Glasmaler / Kunst-Bleiglaser

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created at: 2013-06-18
Last major update at: 2013-06-18
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Kirchliche Berufe & Ämter, Kirchenraum und Kirchenpädagogik
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Engel

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Das Berufsbild des Kunst-Bleiglasers und Glasmalers, der Fenster, Kirchenfenster oder Glaskunst erstellt.

Definitionen

Bleiglasfenster sind Fenster, bei welchen die einzelnen Flachglas-Stücke durch H-förmige Bleiruten verbunden sind und die Schnittpunkte der Ruten verlötet wurden. Es gibt Bleiglasfenster mit und ohne Glasmalereien und sie dienen meist der künstlerischen Darstellung. Trotz der Namensähnlichkeit wird in Bleiglasfenstern kein Bleiglas verwendet.

Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Bleiglasfenster

    

Unter Glasmalerei versteht man heute in erster Linie die Herstellung farbiger Fenster mit bildlichen Darstellungen.

Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Glasmalerei

     

Berufsaussichten des Kunstglasers usw.

Kunst-Bleiglaser und Glasmaler zählen aus meiner Sicht zu den inzwischen brotlosen Künsten. Ohne ein zusätzliches Standbein sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten schlecht. Wer diese Berufe ausüben möchte, sollte dieses nicht unter dem Schirm des Broterwerbes tun.

Es gibt alteingesessene Firmen auf diesem Gebiet, wie diese wirtschaftlich zurechtkommen kann ich nicht beurteilen. Wenige Firmen haben die Zeiten überlebt. Die heut noch bestehenden Betriebe, fertigen nicht nur Neuware an, sondern führen auch Restaurationen durch. Die Restauration bedarf hoher Fachkenntnisse und viel Fingerspitzengefühl. Für diese wenigen Firmen ist der Markt wohl noch ausreichend. Auch ist der Umgang mit Glas nicht jedermanns Sache.

Mir ist eine Firma bekannt, welche Lehrlinge ausbilden darf, auch ohne die im Handwerk vorgeschriebene Meisterprüfung zu besitzen. Diese Regelung wurde getroffen um dieses Handwerk wenigstens zu erhalten. Vor Jahren kam eine junge Frau zu mir, eine frisch ausgelernte Glasmalerin. Sie suchte Arbeit in ihrem Fach, die auch ich ihr nicht bieten konnte. Später hörte ich, sie hätte noch einen anderen Beruf ergriffen. Ich bin in diesem Beruf tätig (nicht als Glasmaler) weil mein Großvater und Vater hierin selbstständig waren und ich das Geschäft vom Vater übernommen habe. Neben der einfachen Glaserei habe ich auch Bleiverglasungen angefertigt. Des Weiteren habe ich Bilder eingerahmt, und dieses sehr gerne getan.

Meine Herangehensweise

Die Art wie ich meine Glasbilder anfertige, hat sich so aus meinen Neigungen und Interessengebieten entwickelt. Eine finanziell lohnende Angelegenheit ist dieses jedoch nicht. Es ist auf diesem Gebiet nicht nur sachliches Handwerk erforderlich, auch die gestalterischen Belange sind von Bedeutung. In Sachen Gestaltung ist in diesen Berufen vieles im Souvenir- und Bierstubenklima gelandet, was diesen Dingen keinen Gefallen getan hat. Sicherlich werden viele auch über meine Werke den Kopf schütteln.

Alle Kunst hat wohl seine Wurzeln in der Religion. So schrieb der Dichter Joachim Ringelnatz an seinen Freund den Glasmaler Otto Linnemann (Bei dem auch mein Großvater gearbeitet hat): „Einmal sehen wir uns schon froh wieder, und wäre es nach dem Tode, sonst lögen Deine Fenster und alle Kunst und Religion“. An diesen Worten von Ringelnatz darf man nicht vorbei gehen. Diese Worte sind für mich sehr bedeutungsvoll. Mein Bruder würde sagen: „Um diese Worte muss man herum gehen, umso schöner werden sie“.

Wir sollten solches nicht der Zufallsfindung überlassen! Somit möchte auch hier, an dieser Stelle, die Gelegenheit nutzen, und darauf hinweisen, dass besonders die kirchlichen Institutionen hier ein weites Feld beschreiten könnten, um solches lehren, um diese Werte zu vermitteln. Die christlichen Konfessionen könnten hiermit ihre eigenen Fundamente stärken und ihre Wort verständlicher und glaubhafter machen. Es darf nicht sein, das sich kirchliches Leben und Handeln in kurzlebigen Zeit- und Tagesmoden verliert und somit ihr Glanz und Raum verloren gehen.

Die Inhalte meiner Bleiglaskunst

Meine Bleiverglasungen beinhalten wohl zu achtzig Prozent einen christlich geprägten Hintergrund. Es überwiegt die Dornenkrone, die ein sehr markantes Symbol des Christentums ist.

Es gibt Fensterbilder schon lange und in vielen Ausführungen. Wenige Bilder verfügen aus meiner Sicht über einen nachdenklich machenden Schub. Damit will ich nicht behaupten, dass mir dieses gelungen ist. Ich suche immer noch. Nur bin ich nicht gewillt Papageien, Bierhumpen oder etwa den Seemann mit Pfeife einzubringen. Unnötigen optischen Lärm möchte ich in meinen Arbeiten vermeiden, auch habe ich wohl schon lange die traditionell erlernten handwerklichen Abläufe verlassen. So gibt es sehr wenige Entwurfszeichnungen. Dieses hängt auch damit zusammen, dass, wenn ich erst lange herumzeichne, ich immer keine Lust mehr verspüre, es in Glas und Blei umzusetzen, weil die Idee nun schon auf dem Papier durchgelaufen ist. Vieles entsteht so frei aus dem Stand der Gedanken.

Ideen und Gedanken

Ideen und Gedanken: Ein Anfang ist die Dornenkrone. Sie hat letztendlich einen Johann Sebastian Bach, einen Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Johannes Brahms usw. ausgelöst. Die Maler von Leonardo da Vinci bis Emil Nolde und die Interpreten, die die Kompositionen singen und spielen: Ohne diese würden wir keine Bilder sehen und begreifen und keine Musik hören und geniessen können. Sie alle verfügen oder verfügten über eine göttliche Kraft und stellen somit das Christentum dar. Sie alle haben dem Abendland das Gesicht geformt. Man muss sich nur auf den Weg machen und sich zu all diesen Schöpfern und Schöpfungen begeben. Diese Schöpfungen und Interpretationen sind auch ein Wegbereiter für christliche Nächstenliebe. Leider wird hier zu wenig gelehrt und alles bleibt der Zufallsfindung überlassen. Auch in Museen und Kunsthallen gibt es vieles aus christlichen Strömungen. Die kirchlichen Institutionen haben dieses bislang nicht beachtet. Immer wieder weise ich darauf hin, dass man sich mit Tonträgern viel Schönes ins Haus holen könnte, was mit eigenen Mitteln nicht zu machen ist. Hiermit wäre auch der Weg der indirekten Verkündigung aufzuzeigen. Zum Beispiel der Filmemacher Werner Schroeter hat in einem Interview gesagt: „Die Sängerin Maria Callas war nie eine Sängerin für mich, sie war für mich eine Mittlerin zwischen Gott und den Menschen. Sie war mein leuchtender Stern“.[1]

Für mich war im Leben der Kammersänger Heinrich Schlusnus von gleichem Rang. Ein anderes Beispiel, der Pianist Arthur Rubinstein äußerte (sinngemäß): Mozart verehre ich sehr. Aber größte Bewunderung habe ich für Ludwig van Beethoven, denn Beethoven kämpfte mit Gott.

Enrico Caruso sang einem Gesanglehrer vor. Dieser fragte daraufhin: „Wer hat Dich geschickt? Gott?“ – Solche Äußerungen und Begebenheiten sind für mich die Brücken zu dem nächsten Schritt, der erfolgen müsste. Dieser sogenannte nächste Schritt wird sicherlich ein längerer Prozess werden. Ich dränge immer darauf, Lehre und Wort zu erweitern.

Es ist an der Zeit, denn auch altbewährtes Werkzeug wird im Laufe der Zeit stumpf.

Autor

Juni 2013 Holm Lilie

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