Gründonnerstag: Die Nacht der verlöschenden Lichter

Autor/innen
8 Geistreich-Mitglieder
erstellt am: 29.03.2010
Letzte größere Änderung: 14.02.2019
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Inhaltsverzeichnis
Passionszeit, Gottesdienstbausteine
Informationen
Vorbereitung: 1 Tag
Durchführung: 1 Stunde
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
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8 Stimmen
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Kerzen

Kurzbeschreibung

Eine gottesdienstliche Inszenierungsidee für Gründonnerstag: Mit Lichtsymbolik und Rollentexten wird ein neuer Zugang zum letzten Mahl Jesu vermittelt.

Situation / Kontext

Gründonnerstag ist der Tag, an dem die Einsetzung des Abendmahls gefeiert wird. Innerhalb der Karwoche beginnen mit ihm die - mit eigenem Namen benannten - Haupt-Festtage. Der Tag spielt in doppelter Hinsicht eine wichtige Rolle: er ist eine Säule des Passions-/Ostergeschehens und er erschließt als Ursprungserinnerung die Bedeutung des Abendmahls („in der Nacht, in der er verraten ward“). Während die Feier der Osternacht in den letzten Jahren zugenommen hat, sind die „dunklen“ Festtage eher durchschnittlich oder schwach besucht. Im Gegenzug wird in Gemeinden der Zusammenhang des Passions- und Ostergeschehens erlebnismäßig neu vermittelt: Erst von der Nacht des Verrats erschließt sich der Morgen der Auferstehung!  

Allgemein zu Gründonnerstag siehe hier: >>> Gründonnerstag heute <<<.

Ziele

Die Leitidee ist es, die Situation des letzten Abendmahls durch Lichtsymbolik und Rollentext zu inszenieren als „Nacht des Verrats“.

Es handelt sich um eine gottesdienstliche Inszenierungsidee für die Gestaltung des Gründonnerstags: Mit Lichtsymbolik und Rollentexten wird ein erfahrungsbezogener Zugang zum letzten Mahl Jesu vermittelt und ein dramaturgischer Spannungsbogen für die folgenden Passions- und Osterfeier eröffnet.

Die Jünger sind bereits in der biblischen Erzählung als Identifikationspersonen angelegt ("Bin ich´s, Herr?"). Die kreative Entfaltung von verschiedenen Jünger-Motiven bietet die Möglichkeit, eigene Erfahrungen des Scheiterns zu verarbeiten.

Reflexion / Hintergrund

Das Fürchterliche des Verrats und die Gefühle der Jünger geraten zu sehr in Vergessenheit. Dies wieder in den Vordergrund zu rücken und spürbar zu machen ist Anliegen dieser Inszenierungsidee.

Umsetzung

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Bei der konkreten Umsetzung des Projektes empfiehlt sich auf Folgendes zu achten:   

  • Der Gottesdienst sollte als Besonderheit angekündigt und in die „Gesamtsymphonie“ der Passions-/Ostergottesdienste eingefügt werden.
  • Es bietet sich an, die Abfassung der Texte und die Gestaltung des Gottesdienstes mit einer Gruppe vorzubereiten und durchzuführen (z.B. Konfirmanden).
  • Der Beleuchtung des Raumes und der Gestaltung des Abendmahltisches kommt besondere Bedeutung zu.
  • Bei der Verlesung der Texte und dem Verlöschen der Lichter braucht es Zeit und Stille, um die Zeichen wirken zu lassen und nicht zu zerreden.
  • Als Materialien braucht es nur Texte und Kerzen. Keine zusätzlichen Kosten.

Vorbereitung

Der Gottesdienstraum ist für die Abendmahlsfeier hergerichtet. Auf dem Abendmahltisch (Altar) stehen zwölf Kerzen für die zwölf Jünger. Für Christus steht eine eigene Kerze, möglichst die Christuskerze (Osterkerze). Die Raumatmosphäre ist meditativ und auf den Abendmahltisch ausgerichtet, die Beleuchtung konzentriert sich auf die Kerzen. Es sind zwölf kurze Texte vorbereitet und an Sprecher/innen verteilt, in denen aus Perspektive der Jünger persönliche Motive für Verrat (Judas), Verleumdung (Petrus) und Verlassen (übrigen) benannt werden.

Durchführung

Das gesamte Gottesdienstgeschehen konzentriert sich in Texten, Liedern und Gestaltung auf die Mahlfeier und die symbolisch-dramatische Inszenierung. Die Predigt tritt gegenüber der Inszenierung zurück bzw. kann entfallen. Es bietet sich eine Feier zu späterer Stunde an (Nacht, Lichtsymbolik). Vor der eigentlichen Mahlfeier wird die Situation des Jüngerkreises durch Lesung vermittelt. Nach der Mahlfeier werden von verschiedenen Sprechern Motive für das Verhalten des jeweiligen Jüngers verlesen (z.B. Angst um das eigene Leben, Zweifel, ob sich Einsatz lohnt, Enttäuschung, dass Jesus die Römer nicht vertreibt etc.). Nach jeder Verlesung löscht der Lesende eine Kerze aus. Am Ende ist der Kirchenraum dunkel bis auf das einsame, verlassene Christuslicht am Altar. Der Gottesdienst sollte unmittelbar nach der Inszenierung schließen, um deren Wirkung nicht abzuschwächen.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Die folgenden Gottesdienste nehmen in ihrer Gestaltung den dramaturgischen Bogen auf: Die Christuskerze wird an Karfreitag gelöscht, in der Osternacht neu entzündet. Die Kreuz- und Auferstehungs-Erfahrung kann wieder im Blick auf die vielfältigen Jünger-Motive entfaltet werden (verschiedene Perspektiven als Identifikationsangebote). 

Wirkung / Erfahrung

Theologisch wird in der Inszenierung „Nacht der verlöschenden Lichter“ der Gegensatz von der Selbsthingabe Gottes und der Selbstgefangenheit des Menschen thematisiert. Während die Jünger an ihrer Zusage scheitern, Jesus nicht zu verlassen, begründet Jesus neue Gemeinschaft. Im Wissen um Verrat und Verleugnung teilt er mit ihnen den Tischsegen, feiert mit ihnen das Passahfest, gibt sich selbst in Brot und Wein zeichenhaft hin. Wichtig ist, dass auch Judas seinen Platz am Tisch hat. Es ist Zeichen der unbedingten Zuwendung Gottes.

Die Jünger sind bereits in der biblischen Erzählung als Identifikationspersonen angelegt („Bin ich´s, Herr?“). Die kreative Entfaltung von verschiedenen Jünger-Motiven bietet die Möglichkeit, eigene Erfahrungen des Scheiterns zu verarbeiten.
Das Motiv von Dunkelheit und Licht spielt in der Passionsgeschichte eine große Rolle (vgl. Joh 13,30: „Und es war Nacht“). Durch die Inszenierung wird der Erfahrung von „Dunkelheit“ Raum gegeben. Es wehrt der Gefahr einer „billigen“ Erlösung, einer „Sonnenschein-Theologie“. Ostern ist nicht verständlich, wenn Gemeinschaftsbruch und Leidenserfahrung übersprungen werden. Das Verlöschen der Lichter ist auf dem Hintergrund des Entzündens von Kerzen bei Gedenkfeiern dafür ein starkes Zeichen.

Impuls

  • Gottesdienst zur Berufung der Jünger: Für jeden Jünger wird ein Satz mit seinen (oder ihren) Motiven, in die Nachfolge zu gehen, verlesen und dann eine Kerze entzündet. Auch Frauen sollten als Jüngerinnen dabei vorkommen. In dem Gottesdienst werden Texte zur Berufung oder Nachfolge etc. entfaltet.
  • Passionsspiele: Die dramaturgische Inszenierung durch eine Gemeindegruppe vermittelt einen Zugang zum Passions-/Ostergeschehen (s. Artikel).
  • Wiederentdeckung des Kirchenjahres: Feste des Kirchenjahres werden als Zyklus neu gestaltet (z.B. Pfingsten) oder überhaupt neu gefeiert (Johannisnacht). 

Praxisbeispiele

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