Weihnachtsgruß!

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 12.12.2012
Letzte größere Änderung: 12.12.2012
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Advent, Weihnachtskreis, Jahreswechsel und Epiphanias, Gottesdienstbausteine
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Idee

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen,

Die Niederkunft Gottes war und bleibt der Versuch, im Betonierten zu nisten und zu wachsen. Und auch wenn der Chor der Engel hilft - es bleibt eine riskante Sache. Manches wird diesem Kind noch weggeschlagen werden, am Ende der Atem. Aber es hat erstaunlich gewirkt, und es wirkt weiter.

Kirchliches Leben wird sich - so erfahren wir es in den Regionen unserer alt-neuen großen Landeskirche – mehr und mehr im Betonierten oder auch im Unübersichtlichen zurechtfinden müssen. Es wird mancherorts nur in den Ritzen wachsen. Keine Hoheit mehr, kein selbstverständliches Nicken der Leute. Das zehrt an den Nerven vieler Haupt- und Ehrenamtlicher und unterhöhlt schleichend christliches Selbstbewusstsein. Manche stemmen sich mit ihrer persönlich begrenzten Kraft bis zur Erschöpfung gegen diese Entwicklung, aber sie werden es nicht verhindern, weil sie dafür selbst nur bedingt verantwortlich sind.

Gleichzeitig erleben wir viele kleine Aufbrüche. Kinder gestalten an vielen Orten den Gottesdienst mit. Alte Männer ohne Kirchenzugehörigkeit gehen in die KiTa und lesen aus der Bibel vor. Jugendkirchen suchen virtuos in den städtischen Regionen nach neuen Formen. Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker erobern sich neue (Pop-)Kulturen, ohne Bach zu verraten. Pastorinnen und Pastoren beginnen zusammen mit Ehrenamtlichen alternative Gottesdienste. Die Kurse für Prädikantinnen und Prädikanten sind überfüllt. Viele freuen sich ohne Groll über den Auftrieb zu Weihnachten, selbst wenn er sie an den Rand bringt.
In den Konventen wächst die Sehnsucht nach geistlicher Kollegialität. Es gibt immer wieder neue Formen dafür. Oder die alten Formen wirken wie zum ersten Mal, wenn man sich an sie herantraut.

Und wir spüren unterhalb aller Weihnachts-Routine den Wunsch, das Riskante oder Verwunderliche auch dieses Jahr neu zu sagen, eine Blickrichtung zu verändern, den Rahmen oder was immer. Das kann man auch als Liebe bezeichnen, die nicht nachlässt, das Vertraute zu putzen, bis es glänzt.

Wir haben übers Jahr versucht, das hier und da mit anzuschieben und werden das mit Vergnügen weiter tun.

Jetzt denken wir an Sie zur Weihnacht, verweisen Ihr Auge auf kleine Anregungen - auch für Sylvester - weiter unten und freuen uns auf Sie und Euch im Neuen Jahr.

Ihr gottesdienst institut nordkirche
Anne Gidion, Friederike Jaeger und Thomas Hirsch-Hüffell
www.gottesdienstinstitut-nordkirche.de



Advent

Im Dezemberdunkel
tappe ich
meiner Sehnsucht hinterher.

So oft schon
ins Leere gefasst.
Durch Löcher gestolpert.
An dornigen Zweigen mir
das Hoffnungskleid zerrissen.

Da schweift am Horizont
ein Stern.
Als suche jemand die Erde ab.
Als hoffe er, im Lichtkegel
einen Verlorenen zu entdecken.

Einer hat sich
auf den Weg gemacht
zu mir.

(Tina Willms)





Advent
In der Stille
lausche ich Gott
ein Geheimnis ab
versetzt Flügelrauschen
den Tag
ins Schwingen

In der Stille
atme ich
seine Nähe
zieht Stallgeruch
von weit her
durchs Haus

In der Stille
fällt mein Blick
nach oben
legt sich
Lichtglanz
unter die Haut

(Tina Willms)



Weihnachts - Betrachtungen


Friede sei mit euch...


Als das Kind ein Kind war (gestohlen bei Peter Handke)
Als das Kind ein Kind war, liebe Gemeinde,
Als das Kind ein Kind war
Da war das Weihnachtszimmer ein Wunderraum
Und der Baum ragte bis zur Decke
Als das Kind ein Kind war
Da spielte es mit Ochs und Esel Versteck
Es streichelte dem Engel über die Flügel
Und war auf Du-und-Du mit der Jungfrau Maria und dem Heiligen Josef
Als das Kind ein Kind war
Da wollte es, dass immer Weihnachten sei
Und es weinte, wenn der Vater an Dreikönig die Kugeln vom Baum nahm.
Als das Kind ein Kind war, da war es selbst voller Weihnachtslicht.



Als das Kind kein Kind mehr war
Da wollte es Weihnachten am liebsten ausfallen lassen.
Aber das war verboten.
Deshalb schrubbte es das Haus.
Putzte die Fenster
Kaufte unzählige Geschenke
Ging zu etwa 23 Weihnachtsfeiern
Machte einen großen Wirbel
Und viele Überstunden
Fühlte sich unabkömmlich
Und weinte abends im Bett
vor Erschöpfung und Sehnsucht
Als das Kind kein Kind mehr war
Da war in ihm eine große Finsternis


Musik I


Text
JOHANNES 3,16-21


Musik II


Das Licht im Nacken

Ab ihrem 30. Geburtstag saß Sisi, Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn,
ausschließlich mit dem Rücken zum Fenster.
So fiel das Licht auf ihr berühmtes langes Haar und nicht in ihr Gesicht.
Mit etwas Glück sah ihr Gegenüber am Teetisch dann nur einen zierlichen
Umriss im seidenen Kleid, einen kokett sich neigenden Kopf und zarte Hände,
weiß wie Tauben.
Die Kaiserin galt als die schönste Frau ihrer Epoche.
Was der Betrachter im Gegenlicht nicht sehen konnte, war die wirkliche
Elisabeth.
Die steckte sich, kaum waren die Herren gegangen, den Finger in den Hals und
kotzte sich die Seele aus dem Leib.
Dreimal am Tag kontrollierte sie ihr Gewicht. Sie ernährte sich wochenlang
von nicht mehr als einer Tasse Bouillon und ein paar Orangen.
Manchmal ließ sie Pralinen kommen vom k.u.k. Hofzuckerbäcker Demel oder aus
der Konditorei Sacher. Die verschlang sie dann und trainierte hinterher wie
wild an ihren zahlreichen Turngeräten.
Ihre Zähne waren gelb und stumpf von vieler Magensäure.
Ihre Wangen waren eingefallen.
Ihre Haut zeigte Hungerödeme.
Ihre Augen lagen tief in den Höhlen.
Mit dem Rücken zum Fenster aber war sie schön.
Mit dem Rücken zum Fenster war sie Kaiserin und Superstar.
Sie war das Bild, das die Welt sich von ihr gemacht hatte.
Sie war Romy Schneider und Marilyn Monroe. Sie war die Jungfrau Maria und
die Sünderin aus Magdala in einer Person.


Musik III


Und die Klarheit leuchtete um sie
Auf dem Feld bei den Hürden
Weit weg von der k.u.k.-Hofburg und Wien
Von Las Vegas und Hollywood
Von Weihnachtsfeiern und Überstunden
Irgendwo im Nirgendwo
Hüteten des Nachts die Hirten ihre Herden.
Hirtinnen werden auch dabei gewesen sein.
Das Feld war gefroren oder gerade getaut und braun vor Matsch
Das weiß ich nicht mehr
Jedenfalls war kein Stern zu sehen.
Höchstens ein Feuer, das flackerte und wärmte und die Wölfe und die Hyänen
daran hindern sollte, einfach in die Herde hineinzuspazieren und sich ihren
persönlichen Weihnachtsbraten zu holen.
Es roch nach nasser Wolle und gegerbtem Leder.
Nach Schweiß und Schlaf
Nach Wodka vielleicht auch und ganz sicher nach Angst vor dem nächsten Tag
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete
um sie.


Musik IV


Ich schenke dir mein Herz
Und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie.
Und die Klarheit des Herrn leuchtet um dich.
Dreh dich um, Elisabeth
Halt dein Gesicht in die Sonne
Dreh dich um, Hirtin,
zeige dem Engel deine vernarbten Hände
Dreh dich um, Kind in mir
Und komm mit zum Licht

Komm mit
Spricht der Herr
Ich schenke dir mein Herz
Ein Herz aus Zuckerguß und Liebe
Komm mit
Hab keine Angst
Wir gehn durch Schnee und Wind zum Licht
Dort ist es warm und still und schön
Komm mit
Nimm meine Hand
Wir gehn
Denn all-so hat Gott die Welt geliebt.

Amen.

mattausch@evkint.de



SYLVESTER


Friede sei mit euch...

Keine Predigt

Eigentlich kommt jetzt die Predigt, liebe Gemeinde.

Aber ich habe dieses Jahr so viele Worte gemacht, so viele Sätze
hergestellt, so viele Textstücke fabriziert.

Und Sie haben dieses Jahr so viele Worte gehört, so viele Sätze gelesen, so
viele Textstücke vorgesetzt bekommen – in der Zeitung, in der Kirche, im
Fernsehen, im Radio, beim Bäcker, im Café, am Telefon, im Büro.
Ich ja auch.
Da will ich nicht predigen.
Da will ich einfach nur hier, bei Ihnen, in der Bankreihe sitzen und die
Erinnerung predigen lassen.
Die Erinnerung an dieses Jahr 2012 mit seinen 12 Monaten,
seinen 52 Wochen,
seinen 365 Tagen
und 365 Nächten
mit seinen 8.760 Stunden
525.600 Minuten
31.536.000 Sekunden

Sie sollen predigen.

Die Erinnerung soll predigen – lautlos, sprachlos.

Ich stelle ihr Fragen.
Fragen ohne Antworten.
Ich stelle uns Fragen, liebe Gemeinde
Fragen ohne Antworten
uns und unserem Herzen und unserer Erinnerung, mit der ich per Du bin
Denn mit einem Herzen und einer Erinnerung kann man nicht per Sie sein.

Und dazu spielt Herr ... auf der Orgel.

Liebste Orte
1 Jahr
An welchen Orten warst du in diesem Jahr?
In welchen Betten hast du geschlafen?
Auf welchen Stühlen hast du gesessen?
Unter welchen Himmeln bist du gegangen?
Für wen hast du Kaffee gekocht?

Zurückgelassenes
1 Jahr
12 Monate
Was hast du zurückgelassen in diesem Jahr?
Was willst du zurücklassen?
Gibt es jemanden, den du vermisst?
Gibt es etwas, das du vermißt?
Gibt es etwas, das du loslassen musst?

Sommer und Winter, Regen und Dürre
1 Jahr
52 Wochen
Welche Blumen hast du blühen sehen in diesem Jahr?
Wie sah der Baum vor deinem Fenster aus?
Was war dein liebster Platz in der Hitze des Sommers?
Wann hat dich der Regen durchnässt?
Warst du traurig oder froh, als es begann zu schneien?


Trauer
1 Jahr
365 Tage
365 Nächte
Was hat dich traurig gemacht in diesem Jahr?
Worüber hast du geweint?
Worüber solltest du weinen?
Gibt es etwas, wofür du dich schämst?
Gibt es etwas, das dir noch verziehen werden muss?
Gibt es etwas, das du dir selber verzeihen musst?

Glück
1 Jahr
8.760 Stunden
Was hat dich froh gemacht in diesem Jahr?
Was hat dein Herz tanzen lassen?
Was deine Beine hüpfen?
Gibt es einen glücklichsten Moment für dich zwischen all den tausenden von
Momenten?

Wünsche
1 Jahr
525.600 Minuten
Was wünschest du dir für das Jahr, das kommt?
Was möchtest du sehen?
Wer möchtest du sein?
Welche Wüsten wirst du durchqueren?
Welches Wunder soll dir begegnen?
Welche Rosen sollen dir blühen?
Welche Dornenhecken sollen sich vor dir öffnen?

Text
Matthäus 6,25-33
(BigS)

Amen.
mattausch@evkint.de

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